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Traditionen der Weintraubenziege - der „Weinbeergoas“
 ie uralten Landwirte glaubten, dass der Gott der Ernte an sich verschiedene Tierähnlichkeiten annimmt. Nach ihren Vorstellungen ist er nach der Ernte alt undsehr seh wach geworden. Deshalb war es notwendig, ihn rituell zu töten, damit er im Frühling in voller Kraft wieder geboren wird. Die allgemeine These hat eine realistische Unterstützung in den archäologischen Funden der kleinen tierischen Skulpturen aus der jüngeren Steinzeit (Hälfte des 6. Jh. vor Chr.). Auch die alten Griechen opferten dem Dionysos einen Ziegenbock und behaupteten, dass sie ihn so für die Schäden strafen, die er in den Weinbergen anrichtete. Dabei war gerade der Ziegenbock selbst die Verkörperung des Gottes... Dieser Brauch, oder Teile davon, erhielten sich in verschiedenen Formen fast in ganz Europa bis zum 19. Jh., auch wenn der ursprüngliche Sinn längst vergessen wurde. Die „Weinbeergoas", deren Tradition sich zur Znaimer und österreichischen Umgebung bindet, kann in den Regionen wenigstens die patriotische völkerkundliche Wüste beleben, in der sich Znaim und seine Umgebung schon mindestens 100 Jahre befinden. Wir hoffen, dass der angebotene Keim aufgehen wird und ähnlich wie der Wildweinstock eigenes Leben leben wird, bis ihn gute Leute und Weinkeller- und Vinothekenbesitzer annehmen. Es ist selbst im Interesse der Winzer, ihn im Land zu verbreiten. Es ist zweifellos, dass die Wurzeln der Legende über die „Weinbeergoas" sehr tief in die Historie greifen. Als Göttin der Ernte garantiert die „Weinbeergoas" das gute Wachstum der Rebe und die Qualität des Weines. Sie belohnt die guten Bauern und bestraft die Faulenzer und die Unehrlichkeit. Wenn sie sich lang weilt, dann führt sie manchmal den Leuten boshafte Stücke auf. Die Tradition der „Weinbeergoas" und ihrer Familie bindet sich nicht nur zu einem bestimmten Datum, aber im Gegenteil, zu verschiedenen Feiertagen und Perioden im Laufe des gesamten Kalenderjahres.
- Zu Ostern ließen die Burschen symbolisch einen „neugeborenen" Ziegenbock in den Weingarten aus, wo er wieder mit seiner Familie zusammenkommen sollte.
- Am Sommerende legten die Wächter ein Gelöbnis ab und richteten das Zeichen, dass das Eintreten in den Weingarten verbot, auf. Dann konnte die Ziegenfamilie ihre Arbeit beenden.
- Zwischen der Weinlese und dem heiligen Martin war es üblich, den Freunden eine „Weinbeergoas" zu schenken. Ein Holzskelett wurde reich mit Blumen, Obst, aber vor allem mit den Weintraubenblättern und Weintrauben geschmückt. So eine Spende sollte Gesundheit und Glück bringen.
- Bis zum Tag des heiligen Martins durfte der Keller nicht betreten werden. Es lobte sich dort der Weinbeergoasbock mit den Kitzen aus und gelährderte die Eindringlinge am Leben. Am heiligen Martin oder knapp nachher fand der Einstand für den Weinbeergoasbock statt. Der bgeschwächte Weinbeergoasbock (ausgeschnitten aus Holz) wurde dem Gastwirt übergeben, damit er bei ihm in Warme neue Kräfte für den Frühling schöpfen kann. Es war ein lustiges und frohes Zusammentreffen (eigentlich eine mildere Form des rituellen Opfers).Zu Weihnachten gingen die Wächter Weihnachtslieder singen. Neben den Geschenken bekamen sie von den Bauern Wein, den sie in ein Fass goßen. Das Fass stand an einer Karre, fdie eine aufgeputzte Ziege zog.
Verein der Freunde der „Weinbergoas“
Im Jahre 1993 lernte der Znaimer Lehrer Jif i Svoboda in Wien ein Landeskind aus Urbau (Vrbovec), Hans Zuckriegl, kennen. Aus deren Kontakten wurde eine enge Zusammenarbeit. Herr Zuckriegl gab seine Zustimmung zur Herausgabe von einigen scliönen Sagen aus Vrbovec, die in den älteren Sammlungen noch nicht vorgekommen sind. Sie erschienen erst im Jahre 2000 im Buch der Sagen „Über den Znaimer Turm." Das Bemühen einiger Freunde führte im Jahre 2004 zur Gründung des „Vereines der Freunde der „Weinbeergoas" . Der Verein hat heute 50 ordentliche Mitglieder und einige tMitglieder - Korrespondenten außerhalb von Znaim. Auf den Verein ging das geistige Erbe des „Vaters der Gründung" Jiri Svoboda, aber auch die Verpflichtung - der Erweiterung und der Belebung der Tradition, welche schon vor dem 2. Weltkrieg entstand, über. Der Verein setzte sich einige Grundziele: SP~ altes Archivmaterial, Informationen und Fakten, die einen [ Zusammenhang mit dem Weinbau und der Tradition der „Weinbeergoas" haben zu suchen und erwerben.
- sich um die Wiederaufnahme der Bräuche in Verbindung mit der Tradition der „Weinbeergoas" zu bemühem.
- Die erworbenen Materialen im Internet, in den verschiedenen fachmännischen und populären Publikationen, Landkarten, Wandkalendern u.s.w. zu veröffentlichen.
- Zur Werbung des guten Namens des Znaimer Weinbauwesens, Weines und mit dem Wein verbundenen Aktivitäten, besonders den mit der Züchtung der Ziege beizutragen.
- Das kulturelle Bewußtsein und die Beziehung zur Region und zur Landschaft mit zu gestalten und zu bereichern.
- Sich nach eigenen Möglichkeit die Organisation der Kulturaktivität anzuschließen und diese in den Prinzipien des Vereines entwickeln.
- Die Entstehung der neuen und die Entwicklung von bestehenden Rad-, Wanderwegen und anderen Wegen zu unterstützen und vorzuschlagen.
- Die Gründung von ähnlichen Organisationen in anderen Staaten zu unterstützen und zu initiieren.
- Die Aktivitäten rund um die „Weinbeergoas" zur Nützlichkeit der ganzen Region zu vereinigen und die „Weinbeergoas" als Symbol, mit dem sich die Region nach außen präsentiert, durchzusetzen. Veranstaltungskalende des Vereines
- Ostern: Freilassen des Weinbeergoasbock in den Weingarten. Termin: jeder letzte Samstag im April.
- Ende des Sommers: Schließung der Weinberge, Gelöbnis der Wächter. Termin: Samstag der ersten ganzen Woche im September.
- Herbst: Übergabe der „Weinbeergoas". Termin: der zweite Samstag im Oktober. Einstand für den „Weinbeergoasbock" Termin: der zweite Freitag im November.
- Weihnachten: Weihnachtsliedersingen der Wärter. Termin: der erste Freitag im neuen Jahr.
Der goldene Ziegenkot
In einer kleinen Hütte am Rande eines Dorfes lebte vor vielen Jahren ein armer Hirte mit seiner Ziege. Ein anderes Vermögen hatte er nicht, nur der Bauer, dem er den Weinberg behackte, gab ihm statt dem Lohn einige Weinstöcke. Einmal arbeitete der Hirte zeitlich in der Früh und wie sich der Mittag näherte und die Sonne stärker brannte, entschied er sich, ein bisschen auszuruhen. Er war sehr müde und Hunger und Durst hatte er auch. Er ließ sich im Schatten eines mächtigen Nussbaumes nieder, aß ein wenig und trank recht viel aus der beflochtenen Flasche. Danach fingen seine Augen an, sich zu schliessen, der Kopf fiel ihm an die Brust und er schlief sehr tief ein. Noch vor dem Einschlafen hatte er das Gefühl, dass er seine Ziege sieht, wie sie zwischen den Rainen weidet, wie sie sich selbst vom Stecken, zu dem er sie anband, losbindet und wie sie in den Weinberg hinein läuft. „Ich sollte sie austreiben", murmelte er im Halbschlaf,„damit sie keinen Schaden anrichtet." Aber dann schwenkte er nur mit der Hand. „Was ist das nur für ein Blödsinn, dass sich eine Ziege selbst losbindet? Da träume ich etwa." Und der Traum setzte sich fort. Die Ziege geht überlegend entlang der einzelnen Weinstöcke und bei jedem lässt sie den schwarzen Ziegenkot, den sie sofort sorgfältig mit dem Hufchen eingräbt. Als der Hirt erwachte, weidete die Ziege zufrieden beim Stecken. Er glaubte schon, dass alles nur ein Traum war, wenn aber nicht die Spuren der Hutchen auf dem behackten Boden wären. „Ich bin ein Narr", sagte er und ging sich es anzuschauen. Als er mit dem Schuh die Erde abschiebt, ist er steif geworden. Statt dem Ziegenkot sah er in den Gräbchen Feingoldstücke funkeln. „So, jetzt ist Ende der Armut!" freute sich der Hirte und wollte das Gold sammeln. Aber es ging nicht, es hielt fest am Boden, wie in den Felsen eingegossen. So deckte er es wieder zu und arbeitete weiter. Am Abend probierte er es nochmals, aber in den Grübchen fand er nur mehr Ziegenkot. „Das habe ich wohl von dem Trinken und von der Sonne", sagte er enttäuscht, band die Ziege vom Stecken ab und ging nach Hause. Als die Weinlese kam, wunderten sich alle über die große Ernte der Weintrauben, die der Hirte hatte. Ihm ist erst bewußt geworden, dass er gerade an diesen Stellen die Ziege wirtschaften sah. Die Weintrauben verkaufte er gut und es ging ihm deshalb auch viel besser. Und weil man damals glaubte, dass die ungewöhnlich schönen Weintrauben ein Beweis der Gunst der Traubenziege waren, hatte der Hirte über seinen Traum nachgedacht und kam darauf, dass es sich um eine Anweisung handelte, dass er seine Weinstöcke düngen soll. So hatte die„Weinbeergoas" den Leuten beigebracht.den unappetitlichen Mist der Haustiere zu sammeln, den auf das Feld führen, wo er sich dann in der Form der größeren Ernte wirklich ins Gold verwandelt.

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